In der Hierarchie einer Bank spielt der Vertrieb – oft als „Markt“ bezeichnet – eine Sonderrolle. Wir zeigen, wie dieser besonders wichtige Bereich einer Bank durch KI unterstützt werden kann.

1. Einleitung: Die Vertriebsrevolution im Banking 2026

Der Vertrieb in einer Bank ist nicht nur der Motor des Wachstums, sondern auch das Gesicht zum Kunden. Ob im anspruchsvollen B2B-Firmenkundengeschäft oder im hochvolumigen B2C-Retail-Bereich: Die Führungskräfte in diesen Abteilungen tragen die Last der Zielvorgaben und die Verantwortung für die Marktanteile. Doch im Jahr 2026 stehen diese Führungskräfte vor einem Paradoxon. Einerseits wird der Verkaufsdruck durch Fintech-Konkurrenz und steigende Erwartungen der Kunden immer größer. Andererseits wird die Zeit, die tatsächlich „am Kunden“ verbracht werden kann, durch eine Lawine aus administrativen Lasten, Compliance-Vorgaben und Dokumentationspflichten erdrückt [1].

Hier setzt Agentic Sales an. Es ist der Befreiungsschlag für alle Vertriebsleiter, die genug davon haben, dass ihre Top-Performer 40 % ihrer Zeit mit CRM-Pflege und regulatorischen Checklisten verbringen, statt Abschlüsse zu generieren. Agentic AI ist weit mehr als der bekannte Chatbot oder eine einfache Datenanalyse. Es handelt sich um eine neue Generation von KI-Systemen, die nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig planen und handeln können. Für den Vertrieb bedeutet das: Sie bekommen einen „digitalen Junior-Partner“, der die Drecksarbeit im Hintergrund erledigt, während Sie und Ihr Team sich auf das konzentrieren, was Sie am besten können: Verkaufen und Boni maximieren.

Dieser Artikel richtet sich gezielt an Markt-Führungskräfte, die Ergebnisse sehen wollen. Wir lassen die technische Komplexität beiseite und konzentrieren uns darauf, wie diese Technologie Ihre Abschlussquoten steigert, Ihre Mitarbeiter entlastet und Ihnen hilft, Ihre Ziele schneller zu erreichen – ohne dass Sie zum IT-Experten werden müssen.

2. Agentic AI vs. Traditionelle KI: Was ist der Unterschied?

Um den Nutzen für den Vertrieb zu verstehen, muss man den Unterschied zwischen der bisherigen KI und Agentic AI kennen. Bisherige KI-Systeme in Banken waren meist reaktiv. Ein CRM-System schlug vielleicht vor: „Kunde X könnte Interesse an einem Kredit haben.“ Der Vertriebler musste dann selbst recherchieren, die Unterlagen vorbereiten und den Prozess anstoßen.

Agentic AI geht einen entscheidenden Schritt weiter. Ein KI-Agent ist zielorientiert und autonom [2]. Wenn Sie dem Agenten das Ziel geben: „Bereite das Quartalsgespräch für unseren Top-Firmenkunden vor“, dann tut er nicht nur das. Er analysiert die letzten Geschäftsberichte des Kunden, vergleicht sie mit aktuellen Markttrends, prüft die internen Kreditlinien, erstellt einen Entwurf für eine neue Finanzierungsstruktur und legt Ihnen die fertige Präsentation am Montagmorgen auf den Tisch.

Merkmal Traditionelle KI (Assistenz) Agentic AI (Junior-Partner)
Arbeitsweise Reaktiv auf Anfragen Proaktiv und zielorientiert
Fähigkeiten Textgenerierung, Datenanalyse Planung, Tool-Nutzung, Ausführung
Nutzen für Vertrieb Spart Zeit beim Schreiben Übernimmt komplette Workflows
Interaktion Mensch muss jeden Schritt steuern Mensch gibt Ziel vor, Agent liefert Ergebnis

Die Metapher des „Junior-Partners“ ist hierbei entscheidend. Ein guter Junior-Partner braucht keine Mikromanagement-Anweisungen. Er versteht das Ziel, kennt die Leitplanken und liefert ein Ergebnis, das der Senior nur noch final prüfen und „closen“ muss. Genau das ist der Geist von Agentic Sales: Maximale Unterstützung bei minimalem Steuerungsaufwand für den Vertrieb.

3. Use Cases: Wo Agentic Sales den Bonus sichert

Für eine Führungskraft im Vertrieb zählt am Ende des Jahres nur eine Frage: Wurden die Ziele erreicht? Agentic Sales ist das Werkzeug, das die Wahrscheinlichkeit für ein „Ja“ massiv erhöht. Schauen wir uns die konkreten Einsatzgebiete an, in denen KI-Agenten den Unterschied machen.

3.1. Intelligentes Prospecting & Lead Nurturing

Im B2B-Bereich ist das Timing alles. Ein KI-Agent kann das Internet und interne Datenbanken kontinuierlich nach Signalen durchforsten. Wenn ein Firmenkunde eine neue Fabrik plant, Patente anmeldet oder in der Presse über eine Expansion berichtet, erkennt der Agent dies sofort als Verkaufschance. Er qualifiziert den Lead vor, prüft die Passfähigkeit zum Portfolio der Bank und erstellt direkt einen personalisierten Gesprächseinstieg [3].

Im B2C-Bereich erkennen Agenten Lebensereignisse (Heirat, Erbe, Hauskauf) nicht erst, wenn der Kunde danach fragt, sondern proaktiv durch die Analyse von Kontobewegungen (natürlich unter Einhaltung des Datenschutzes). Der Agent bereitet das Angebot vor, sodass der Berater nur noch zum Hörer greifen muss. Das Ergebnis: Weniger Zeitverlust bei der Suche nach Chancen und ein Fokus auf die „High-Value“-Abschlüsse, die den Bonus wirklich treiben.

3.2. Die perfekte Vorbereitung: Das „Dossier auf Knopfdruck“

Jeder Vertriebler kennt das: Ein Termin beim wichtigen Kunden steht an, und die Vorbereitung kostet Stunden. Man muss die Historie im CRM lesen, die aktuellen Produkte prüfen und schauen, was der Wettbewerb macht. Ein KI-Agent erledigt das in Sekunden. Er erstellt ein Dossier, das nicht nur Fakten auflistet, sondern auch strategische Empfehlungen gibt: „Kunde hat hohe Cash-Bestände, aber keine Zinsabsicherung – sprich Thema X an.“ Mit dieser Vorbereitung geht das Team mit einer ganz anderen Souveränität in das Gespräch, was die Abschlusswahrscheinlichkeit signifikant erhöht [4].

3.3. Administrative Entlastung: Der „Rückenfrei“-Faktor

Der größte Feind des Vertriebs ist die Nachbereitung. Nach einem erfolgreichen Termin folgen Protokolle, CRM-Einträge und Compliance-Dokumentationen. Hier glänzt Agentic Sales. Der Agent hört (mit Einverständnis) mit oder verarbeitet die Notizen des Verkäufers. Er pflegt das CRM autonom, stößt die Folgeprozesse in der Marktfolge an und erstellt sogar die Dankes-E-Mail an den Kunden. Der Vertriebler verlässt das Büro des Kunden und ist sofort bereit für den nächsten Termin. Die „Time-to-Market“ sinkt drastisch, während die Datenqualität im System steigt – ein Traum für jeden Vertriebsleiter, der keine Lust mehr auf unvollständige CRM-Daten hat.

3.4. Next-Best-Action 2.0

Während herkömmliche Systeme nur vorschlagen, bereitet der KI-Agent die Aktion vor. Er sagt nicht nur: „Biete dem Kunden eine Kreditkarte an“, sondern er erstellt direkt den Antragslink, berechnet die individuellen Konditionen und legt den Entwurf für das Begleitschreiben bereit. Der Vertriebler muss nur noch „Senden“ klicken oder das Gespräch führen. Die Hürde für Cross-Selling wird so minimal, dass die Quoten fast automatisch steigen. ## 4. Psychologie des Wandels: Warum Vertriebler keine Angst haben müssen

Ein häufiges Hindernis bei der Einführung von IT-Systemen im Vertrieb ist die Angst vor Kontrolle. Viele erfahrene Verkäufer befürchten, dass die Digitalisierung sie zum „gläsernen Mitarbeiter“ macht oder dass ihre Intuition durch starre Algorithmen ersetzt wird. Als Führungskraft ist es Ihre Aufgabe, dieses Narrativ zu drehen.

Digitalisierung ist kein Kontrollorgan, sondern ein Befreiungsschlag. Ein KI-Agent ist nicht dazu da, die Leistung zu überwachen, sondern die Hürden zu entfernen, die den Erfolg verhindern. Wenn der Agent die Dokumentation übernimmt, ist das keine Überwachung, sondern eine Befreiung von lästiger Büroarbeit. Die Intuition des Verkäufers – das Gespür für den Menschen, die Empathie im Gespräch und das Verhandlungsgeschick beim Preis – bleibt unersetzlich. Die KI liefert lediglich die Datenbasis, damit diese Intuition auf fruchtbaren Boden fällt.

Ein weiterer Punkt ist die Boni-Maximierung. In einer Welt, in der Zeit die knappste Ressource ist, bedeutet jede Stunde, die ein Agent übernimmt, eine Stunde mehr Zeit für den Abschluss. Erfolgreiche Vertriebsteams im Jahr 2026 verstehen, dass der „Einsame Wolf“ im Vertrieb ausstirbt. Der neue Top-Performer ist derjenige, der seine KI-Agenten am effizientesten steuert. Es geht nicht um „Mensch gegen Maschine“, sondern um „Mensch mit Maschine gegen den Wettbewerber ohne Maschine“ [5].

5. Implementierung für Markt-Führungskräfte: So starten Sie

Sie müssen kein IT-Projektleiter sein, um Agentic Sales in Ihrer Abteilung zu etablieren. Tatsächlich ist es oft besser, wenn der Anstoß direkt aus dem Markt kommt, damit die Lösungen praxisnah bleiben.

5.1. Den „IT-Stau“ umgehen: Pragmatische Ansätze

Warten Sie nicht auf das große, fünfjährige Transformationsprojekt der Gesamtbank. Suchen Sie nach „Quick Wins“. Es gibt heute Plattformen, die sich als Layer über bestehende CRM-Systeme legen lassen und sofortigen Nutzen bringen, ohne die Kern-IT umbauen zu müssen. Konzentrieren Sie sich auf einen Bereich – zum Beispiel die Vorbereitung von Firmenkundenterminen – und lassen Sie einen Piloten laufen. Die Ergebnisse (Zeitersparnis, bessere Gesprächsqualität) werden für sich sprechen und die Akzeptanz im Team sichern.

5.2. KPIs, die wirklich zählen

Messen Sie den Erfolg nicht an technischen Parametern, sondern an vertrieblichen Kennzahlen. Eine effektive Implementierung von Agentic Sales sollte sich in folgenden KPIs widerspiegeln: * Conversion Rate: Steigt die Quote von Leads zu Abschlüssen durch bessere Vorbereitung? * Time-to-Close: Verkürzt sich der Zyklus vom Erstkontakt bis zur Unterschrift, weil der Agent die Prozesse im Hintergrund beschleunigt? * Netto-Vertriebszeit: Wie viele Stunden pro Woche verbringen Ihre Mitarbeiter tatsächlich im Kundengespräch vs. am Schreibtisch? * Mitarbeiterzufriedenheit: Sinkt der Frust über administrative Aufgaben?

5.3. Change Management: Begeisterung statt Verordnung

Führen Sie die Technologie nicht per Dekret ein. Identifizieren Sie die „Early Adopters“ in Ihrem Team – die jungen Talente oder die technikaffinen Top-Performer. Lassen Sie diese die Vorteile vorleben. Wenn der Rest des Teams sieht, dass Kollege Müller durch seinen „KI-Junior“ plötzlich 20 % mehr Umsatz macht und trotzdem pünktlich Feierabend hat, wird der Widerstand schnell schwinden.

6. Risiken und Grenzen: Was Agenten (noch) nicht können

Trotz aller Euphorie: Agentic AI ist kein Allheilmittel. Es gibt Bereiche, in denen der Mensch absolut dominant bleibt und bleiben muss.

Empathie und komplexe Verhandlung: Ein KI-Agent kann zwar Daten analysieren, aber er kann nicht zwischen den Zeilen lesen. Er spürt nicht, wenn ein Kunde zögert, weil er persönliche Sorgen hat. Er kann keine tiefen, langjährigen Vertrauensbeziehungen aufbauen, die gerade im Private Banking oder bei großen Unternehmenskrediten die Basis für das Geschäft sind.

Regulatorische Leitplanken: Als Bank unterliegen Sie strengen Regeln (DORA, EU AI Act). Ein KI-Agent muss innerhalb dieser Leitplanken agieren. Das bedeutet, dass die „menschliche Aufsicht“ (Human-in-the-Loop) nicht nur ein Schlagwort ist, sondern eine regulatorische Notwendigkeit. Der Vertriebler bleibt am Ende verantwortlich für das, was das System tut [6].

7. Fazit: Werden Sie zum Marktführer von morgen

Die Digitalisierung im Banking hat eine neue Phase erreicht. Wir lassen die Ära der bloßen Datenverwaltung hinter uns und treten ein in die Ära der autonomen Vertriebsunterstützung. Für Sie als Führungskraft im Markt bedeutet das eine historische Chance. Sie können Ihre Abteilung von einem reaktiven Apparat in eine proaktive Vertriebsmaschine verwandeln.

Agentic Sales hält Ihren Mitarbeitern den Rücken frei, sichert das Neugeschäft durch präzises Timing und maximiert die Boni durch gesteigerte Effizienz. Der Wettbewerb schläft nicht. Während andere Banken noch über die Risiken von KI diskutieren, nutzen die Marktführer von morgen bereits die Kraft autonomer Agenten, um sich die besten Kunden zu sichern.

Der Weg zum Erfolg führt über die Erkenntnis, dass IT im Vertrieb kein notwendiges Übel ist, sondern Ihre schärfste Waffe im Kampf um Marktanteile. Nutzen Sie sie. Für weitere Informationen zur Digitalisierung im Allgemeinen besuchen Sie Digitoren.de.

8. Referenzen

[1] McKinsey. Agentic AI is here. Is your bank’s frontline team ready? (2025). https://www.mckinsey.com/industries/financial-services/our-insights/agentic-ai-is-here-is-your-banks-frontline-team-ready
[2] CC-BEI. Agentic AI: Die nächste Stufe künstlicher Intelligenz im Banking. (2026). https://cc-bei.news/agentic-ai-die-naechste-stufe-kuenstlicher-intelligenz-im-banking/
[3] Cognigy. KI-Agenten für Sales & Marketing. https://www.cognigy.com/de/loesungen/ki-agenten-sales-marketing
[4] Backbase. Top 5 use cases of AI agents in banks. (2026). https://www.backbase.com/blog/top-5-ai-agent-use-cases-banking
[5] Statworx. Künstliche Intelligenz (KI) im Vertrieb: Potenziale und Use Cases. https://www.statworx.com/funktionen/data-science-und-ki-im-vertrieb
[6] BCG. From Branches to Bots: Will AI Agents Transform Retail Banking? (2025). https://www.bcg.com/publications/2025/branches-to-bots-will-ai-transform-retail-banking

 

Jens

Dr. Jens Bölscher ist studierter Betriebswirt mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Er promovierte im Jahr 2000 zum Thema Electronic Commerce in der Versicherungswirtschaft und hat zahlreiche Bücher und Fachbeiträge veröffentlicht. Er war langjährig in verschiedenen Positionen tätig, zuletzt 14 Jahre als Geschäftsführer. Seine besonderen Interessen sind Innovationen im IT Bereich.