Eine Reihe von Herausforderungen prägen die Digitale Transformation von Banken. Eines der zentralen Probleme von Banken ist insbesondere die Reorganisation der IT-Infrastruktur. Dies ist besonders schwierig, da ein Großteil der Banken große zentralisierte IT-Plattformen besitzt, die ihren Ursprung in den 70er Jahren haben. Das Thema „Digitalisierung Finanzbranche“ ist auch darum besonders komplex. Die bestehenden Systeme mit den heutigen Anforderungen kompatibel zu machen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Die bestehende IT in den Unternehmen der Bankwirtschaft ist daher einer der größten Bremsklötze für die Schaffung moderner und skalierbarer IT-Strukturen. Auch darum stellt sich für viele Unternehmen das Thema „Digitalisierung Banken“ als so herausfordernde Aufgabe dar.
Neue und zeitgemäße Digitalprojekte benötigen aber andere Strukturen. Gestiegene Kundenanforderungen, neue und sich schnell ändernde Vorgaben der Aufsicht und der gestiegene Druck zur Generierung innovativer Produkte und zur Nutzung großer unstrukturierter Datenmengen stellen die IT vor große Herausforderungen. Gleichzeitig kommt der IT eine zentrale Rolle dabei zu, ob Innovationen im Unternehmen überhaupt ermöglicht werden.
Ein Redesign der IT-Infrastruktur scheint daher in vielen Banken unumgänglich. Die Notwendigkeit, alte Systeme zu modernisieren, wird durch die rasanten Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz (KI) und die steigenden Anforderungen an Echtzeit-Verarbeitung massiv verstärkt. Ein Festhalten an veralteten Systemen wird unweigerlich zum Scheitern führen, da sie die Agilität und Innovationsfähigkeit, die für den Wettbewerb im Jahr 2026 und darüber hinaus entscheidend sind, nicht bieten können.
Digitalisierung Banken: Diese Treiber sind entscheidend für 2025/2026
Die Digitalisierung der Finanzbranche wird maßgeblich von einer Reihe dynamischer Treiber beeinflusst, die Banken proaktiv adressieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und zukünftiges Wachstum zu sichern. Neben den bereits etablierten Treibern wie Cloud-Computing und Prozessautomatisierung gewinnen insbesondere Künstliche Intelligenz, regulatorische Neuerungen und die Erwartungen neuer Kundengenerationen an Bedeutung.
1. Künstliche Intelligenz (KI) und Agentic AI
KI entwickelt sich rasant weiter und wird zur grundlegenden Intelligenzschicht des Bankwesens. KI-Bankassistenten gehen über einfache Chatbots hinaus und entwickeln sich zu vertrauenswürdigen Finanzberatern, die personalisierte Empfehlungen, Betrugserkennung und proaktive Finanzplanung anbieten [1]. Ein entscheidender Fortschritt ist die Agentic AI, die in der Lage ist, komplexe Aufgaben wie Kreditbewilligungen und Betrugserkennung eigenständig abzuwickeln [1]. Diese Entwicklung ermöglicht eine Hyper-Personalisierung von Finanzdienstleistungen, bei der KI als persönlicher Finanzcoach fungiert, der Lebensereignisse (z.B. Hauskauf oder Familiengründung) antizipiert und passende Finanzstrategien vorschlägt [1].
2. Cloud-Computing und Datenmanagement
Cloud-Computing ist die unverzichtbare Basis für den Einsatz von KI und die Verarbeitung großer Datenmengen. Zahlreiche Banken haben bereits erste Schritte unternommen, um IT-Infrastrukturen teilweise in Cloud-Umgebungen zu migrieren. Die Vorteile sind offensichtlich: effizientere und robustere Unternehmens-IT, die moderne Technologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz überhaupt erst nutzbar macht [1]. Parallel dazu ermöglicht die Einführung von ISO 20022 (im Rahmen von CBPR+) einen reichhaltigeren Datenaustausch für grenzüberschreitende Zahlungen, was die Effizienz und Compliance in Finanzinstituten erheblich verbessert [2]. Echtzeit-Zahlungen (Instant Payments) werden zum Standard, angetrieben durch Initiativen wie Project Nexus in Asien und FedNow in den USA, was die Geschwindigkeit und Effizienz des Zahlungsverkehrs revolutioniert [2].
3. Prozessautomatisierung und Effizienzgewinne
Die möglichst vollständige Automatisierung von Prozessen bleibt ein zentraler Aspekt der Digitalisierung. Manuelle und sich wiederholende Prozesse können durch IT sehr weitgehend automatisiert werden, was nicht mehr nur Backoffice-Prozesse betrifft. Auch kundennahe Prozesse können durch Datenanalyse und Künstliche Intelligenz stark verbessert werden [1]. Der Nutzen für Banken ist dabei offensichtlich: schnellere Prozesse, erhebliche Effizienzgewinne, mehr Kundenfreundlichkeit und eine verbesserte Wirtschaftlichkeit [1].
4. Regulatorische Neuerungen und Compliance als Chance
Die regulatorische Landschaft entwickelt sich stetig weiter und stellt Banken vor neue Herausforderungen, bietet aber auch Chancen. PSD3 und Open Finance (FIDA) treiben die Entwicklung von API-first-Lösungen voran, die den Datenaustausch und die Integration von Finanzdienstleistungen erleichtern [3]. Der Digital Operational Resilience Act (DORA) in der EU erhöht die Anforderungen an die IT-Sicherheit und Resilienz von Finanzinstituten [2]. Banken können Compliance zunehmend als „Value-Added Service“ nutzen, indem sie beispielsweise QR-Code-Zahlungen oder verbesserte Cybersicherheitsfunktionen auf Basis neuer Vorschriften anbieten [2].
5. Neue Zielgruppen und digitale Assets
Die Generation Z prägt mit ihren Erwartungen an mobile-first-Anwendungen, Transparenz und Geschwindigkeit die Anforderungen an digitale Finanzdienstleistungen [2]. Banken müssen ihre Angebote entsprechend anpassen, um diese wichtige Kundengruppe zu erreichen. Gleichzeitig gewinnen digitale Assets an Bedeutung. Die Tokenisierung von Real-World Assets (RWA) und der Einsatz von Stablecoins für Treasury- und Zahlungsverkehrsanwendungen eröffnen neue Möglichkeiten für Effizienz und Liquidität [2]. Das Konzept des „Banking everywhere“ oder Embedded Finance – die Einbettung von Finanzdienstleistungen in Nicht-Bank-Anwendungen – wird immer relevanter und ermöglicht es Banken, ihre Reichweite über traditionelle Kanäle hinaus zu erweitern [1].
Fazit: Die Zeit ist reif für den Wandel
Banken benötigen moderne IT-Infrastrukturen, wenn sie die Herausforderungen der Zukunft bewältigen wollen. Ein Festhalten an alten Systemen wird unweigerlich zum Scheitern führen. Die Zeit ist reif, den nötigen Wandel schnell und zielgerichtet einzuleiten und die Chancen der Digitalisierung voll auszuschöpfen. Die Integration von KI, Cloud-Technologien, optimierter Prozessautomatisierung, proaktiver Compliance und der Anpassung an neue Kundenerwartungen sind entscheidend für den Erfolg in der sich ständig wandelnden Finanzlandschaft.
Referenzen
[1] Netcetera. (2025). Digital Banking Trends 2026 – Worauf sollten sich Banken vorbereiten. Verfügbar unter: https://www.netcetera.com/de/stories/news/digital-banking-trends.html
[2] Finextra. (2026). Five predictions for 2026: The next phase of banking transformation. Verfügbar unter: https://www.finextra.com/the-long-read/1573/five-predictions-for-2026-the-next-phase-of-banking-transformation
[3] KPMG. (2026). Regulatory drivers and trends for Financial Services in 2026. Verfügbar unter: https://kpmg.com/xx/en/our-insights/regulatory-insights/regulatory-drivers-and-trends-for-financial-services-in-2026.html
Dr. Jens Bölscher ist studierter Betriebswirt mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Er promovierte im Jahr 2000 zum Thema Electronic Commerce in der Versicherungswirtschaft und hat zahlreiche Bücher und Fachbeiträge veröffentlicht. Er war langjährig in verschiedenen Positionen tätig, zuletzt 14 Jahre als Geschäftsführer. Seine besonderen Interessen sind Innovationen im IT Bereich.
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